Das Wichtigste in Kürze
Sie haben einen Arbeitsvertrag erhalten und sollen ihn kurzfristig unterschreiben? Viele Arbeitnehmer achten zunächst auf Gehalt, Urlaub oder den Arbeitsbeginn. Rechtlich bedeutsame Vertragsklauseln geraten dabei jedoch leicht in den Hintergrund – obwohl sie das Arbeitsverhältnis oft über Jahre prägen können. Eine sorgfältige Prüfung vor der Unterschrift hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen und spätere Nachteile zu vermeiden.
✔️ Eine rechtliche Prüfung vor der Unterzeichnung schafft Klarheit und kann spätere Streitigkeiten vermeiden.
✔️ Ein Arbeitsvertrag regelt die wesentlichen Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
✔️ Besondere Aufmerksamkeit verdienen insbesondere Regelungen zur Arbeitszeit, Vergütung, Probezeit, Befristung, Überstunden, Ausschlussfristen und Wettbewerbsverboten.
Warum sollte ein Arbeitsvertrag geprüft werden?
Ein neuer Arbeitsplatz ist häufig mit Vorfreude verbunden. Umso verständlicher ist es, dass viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsvertrag möglichst schnell unterschreiben möchten. Gerade in dieser Situation werden jedoch wichtige Vertragsklauseln häufig übersehen.
Regelungen zur Arbeitszeit, Vergütung, Befristung, Überstunden, Ausschlussfristen oder zu Wettbewerbsverboten können erhebliche Auswirkungen auf das spätere Arbeitsverhältnis haben. Nicht jede Vertragsklausel ist wirksam oder für Arbeitnehmer gleichermaßen vorteilhaft.
Eine sorgfältige rechtliche Prüfung des Arbeitsvertrags vor der Unterzeichnung schafft Klarheit über die eigenen Rechte und Pflichten, hilft rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen und kann spätere Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber vermeiden.
Welche Inhalte sollte ein Arbeitsvertrag enthalten?
Ein Arbeitsvertrag sollte die wesentlichen Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer eindeutig regeln. Darüber hinaus müssen Arbeitgeber die gesetzlichen Vorgaben des Nachweisgesetzes beachten und die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich dokumentieren.
Ein Arbeitsvertrag sollte insbesondere Regelungen enthalten zu:
- Beginn des Arbeitsverhältnisses,
- Tätigkeit und Aufgabenbereich,
- Arbeitsort,
- Arbeitszeit,
- Vergütung einschließlich möglicher Zuschläge,
- Urlaubsanspruch,
- Probezeit,
- Kündigungsfristen,
- Sonderzahlungen,
- Nebentätigkeiten,
- Datenschutz und Verschwiegenheit sowie
- weiteren gesetzlich nachweispflichtigen Arbeitsbedingungen.
Diese Vertragsklauseln sollten Sie vor der Unterschrift besonders sorgfältig prüfen
Nicht jede Vertragsklausel ist rechtlich unproblematisch. Einige Regelungen können erhebliche Auswirkungen auf das spätere Arbeitsverhältnis haben oder später zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen. Vor der Unterzeichnung sollten insbesondere folgende Klauseln sorgfältig geprüft werden:
- Überstundenregelungen – Sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten oder werden sie vergütet?
- Ausschlussfristen – Wie lange haben Sie Zeit, Ansprüche geltend zu machen?
- Versetzungsklauseln – Kann der Arbeitgeber Ihren Arbeitsort oder Ihre Tätigkeit einseitig ändern?
- Befristungen – Ist die Befristung rechtlich wirksam vereinbart?
- Wettbewerbsverbote – Gelten Einschränkungen auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses?
Je klarer diese Regelungen formuliert sind, desto geringer ist das Risiko späterer Konflikte. Gerade diese Vertragsklauseln entscheiden häufig darüber, wie flexibel und rechtlich abgesichert Sie im späteren Arbeitsverhältnis sind.
Wann lohnt es sich, einen Arbeitsvertrag anwaltlich zu prüfen?
Nicht jeder Arbeitsvertrag muss zwingend anwaltlich geprüft werden. In vielen Fällen ist eine rechtliche Prüfung jedoch sinnvoll, um Risiken frühzeitig zu erkennen und spätere Nachteile zu vermeiden. Dies gilt insbesondere dann, wenn einzelne Vertragsklauseln unklar formuliert sind, von gesetzlichen Regelungen abweichen oder erhebliche Auswirkungen auf das spätere Arbeitsverhältnis haben können.
Eine anwaltliche Prüfung ist insbesondere sinnvoll, wenn:
- Sie einen Arbeitsvertrag für eine neue oder verantwortungsvolle Position erhalten,
- eine Befristung vereinbart werden soll,
- Überstunden mit dem Gehalt abgegolten werden sollen,
- ein Wettbewerbsverbot oder weitreichende Verschwiegenheitspflichten vorgesehen sind,
- ungewöhnlich lange Kündigungsfristen oder kurze Ausschlussfristen vereinbart wurden oder
- Sie unsicher sind, ob einzelne Vertragsklauseln wirksam oder ausgewogen sind.
Gerade vor der Unterzeichnung lassen sich viele problematische Vertragsklauseln noch verhandeln oder anpassen. Nach Abschluss des Arbeitsvertrags ist dies häufig deutlich schwieriger.
Häufige Fehler vor der Unterschrift eines Arbeitsvertrags
Typische Fehler sind:
- den Arbeitsvertrag ungeprüft sofort zu unterschreiben,
- mündliche Zusagen des Arbeitgebers nicht schriftlich festhalten zu lassen,
- Regelungen zu Überstunden zu übersehen,
- Ausschlussfristen nicht zu beachten,
- die Wirksamkeit einer Befristung nicht zu prüfen oder
- die Tätigkeitsbeschreibung nicht sorgfältig zu kontrollieren.
Praxisbeispiel
Ein Arbeitnehmer unterschreibt seinen Arbeitsvertrag, ohne die Überstundenregelung näher zu prüfen. Der Vertrag sieht vor, dass sämtliche Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sein sollen. Erst nach Beginn des Arbeitsverhältnisses stellt sich heraus, dass regelmäßig erhebliche Mehrarbeit geleistet werden muss. Eine sorgfältige rechtliche Prüfung vor der Unterzeichnung hätte ermöglicht, diese Regelung frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls nachzuverhandeln.
Typischer Irrtum
„Ein unterschriebener Arbeitsvertrag kann später nicht mehr überprüft werden.“
Das ist nicht richtig.
Auch nach der Unterzeichnung können einzelne Vertragsklauseln unwirksam sein oder gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen. Allerdings ist es häufig deutlich einfacher, problematische Regelungen bereits vor der Unterschrift zu erkennen und – soweit möglich – mit dem Arbeitgeber zu besprechen oder anzupassen.
Arbeitszeit und Vergütung
Der Arbeitsvertrag sollte insbesondere eindeutig regeln:
- wie viele Stunden gearbeitet werden,
- welche Vergütung vereinbart wurde,
- wann das Gehalt gezahlt wird und
- ob Überstunden vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden.
Gerade pauschale Überstundenklauseln sind häufig Gegenstand arbeitsgerichtlicher Entscheidungen. Eine sorgfältige Prüfung kann helfen, spätere Streitigkeiten über Arbeitszeit und Vergütung zu vermeiden.
Probezeit
Während der Probezeit gelten häufig verkürzte Kündigungsfristen. Gerade deshalb sollten die vereinbarten Regelungen sorgfältig geprüft werden.
Arbeitnehmer sollten insbesondere darauf achten:
- wie lange die Probezeit dauert,
- welche Kündigungsfrist vereinbart wurde und
- ob besondere Bedingungen oder Vereinbarungen gelten.
Befristete Arbeitsverträge
Ist ein Arbeitsvertrag befristet, sollte insbesondere geprüft werden:
- ob die Befristung wirksam vereinbart wurde,
- wann das Arbeitsverhältnis endet und
- ob eine Verlängerung vorgesehen oder möglich ist.
Fehler bei der Befristung können im Einzelfall erhebliche rechtliche Folgen haben. Eine frühzeitige Prüfung schafft Klarheit über die eigenen Rechte.
Was tun bei unklaren Klauseln?
Sind einzelne Vertragsregelungen unverständlich, ungewöhnlich oder missverständlich formuliert, sollten sie vor der Unterzeichnung geklärt werden. In vielen Fällen lassen sich einzelne Klauseln noch vor Vertragsabschluss erläutern, anpassen oder nachverhandeln.
Unsere Beratung
Wir prüfen Ihren Arbeitsvertrag sorgfältig und erläutern Ihnen verständlich, welche rechtlichen Auswirkungen die einzelnen Vertragsklauseln haben können.
Gemeinsam mit Ihnen bewerten wir, ob einzelne Regelungen ausgewogen und rechtlich wirksam sind und an welchen Stellen Änderungen oder Nachverhandlungen sinnvoll sein können.
Unser Ziel ist es, dass Sie Ihren Arbeitsvertrag mit einem guten Gefühl unterschreiben und spätere rechtliche oder finanzielle Nachteile möglichst vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ein Arbeitsvertrag schriftlich abgeschlossen werden?
Nicht zwingend. Ein Arbeitsvertrag kann grundsätzlich auch mündlich geschlossen werden. Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, die wesentlichen Arbeitsbedingungen nach den gesetzlichen Vorgaben – insbesondere des Nachweisgesetzes – schriftlich zu dokumentieren. Aus Beweisgründen werden Arbeitsverträge daher regelmäßig schriftlich abgeschlossen.
Kann ich meinen Arbeitsvertrag vor der Unterschrift prüfen lassen?
Ja. Eine rechtliche Prüfung vor der Unterzeichnung kann helfen, problematische Vertragsklauseln frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls vor Vertragsabschluss zu klären oder nachzuverhandeln.
Sind alle Klauseln im Arbeitsvertrag wirksam?
Nein. Einzelne Vertragsklauseln können unwirksam sein, wenn sie gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen oder Arbeitnehmer unangemessen benachteiligen. Ob eine Regelung wirksam ist, hängt stets von den Umständen des Einzelfalls ab.
Kann ein Arbeitsvertrag nachträglich geändert werden?
Grundsätzlich nur mit Zustimmung beider Vertragsparteien. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Änderung der Arbeitsbedingungen auch durch eine Änderungskündigung erfolgen.
Was kostet die Prüfung eines Arbeitsvertrags?
Die Kosten richten sich nach dem Umfang der Prüfung und dem konkreten Beratungsbedarf. Gerne informieren wir Sie im Rahmen eines ersten Beratungsgesprächs über die voraussichtlichen Kosten.
Kann ich einen Arbeitsvertrag mit nach Hause nehmen und prüfen lassen?
Ja. Arbeitnehmer sind grundsätzlich nicht verpflichtet, einen Arbeitsvertrag sofort zu unterschreiben. Bitten Sie um ausreichend Bedenkzeit und lassen Sie den Vertrag vor einer Entscheidung sorgfältig prüfen. Bestehen Unsicherheiten zu einzelnen Vertragsklauseln, kann eine rechtliche Beratung vor der Unterzeichnung sinnvoll sein.
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